Mittwoch, 13. Juli 2011

This is not a cockroach


Das eingangs erwähnte W. Busch’sche Krabbeltier begehrt die Veröffentlichung nachstehender Gegendarstellung

Nach Begutachtung der Beweisfotos kam der Kammerjäger William S. Borroughs (Name geändert) am Dienstag dem 12. Juli 2011 zum Schluss, dass es sich bei abgebildetem Krabbeltier aus verschiedenen Gründen –nicht- um eine (europäische) Schabe handelt. Zur Beweislegung gegoogeltes Bildmaterial stellte sich als falsch, irreführend, und, Zitat, “ein Schmarrn” heraus. Vermutet wird die Identität eines jugendlichen Exemplares der Familie der Bockkäfer.
Die klagende Partei wurde jedoch wegen ihres außerordentlichen Fotomaterials und ihrer Alarmbereitschaft gelobt und beruhigt zurückgelassen.


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– Ja wenn man spätnächtens von einem in eine Wohnzimmerecke zwecks Versteckung dahinflitzenden, über 2 cm großem Käfervieh überrascht und erschreckt wird, im Leben noch nie einer Kakerlake begegnet ist, und dank Hygieneschulung am Magistrat weiß, dass eine nicht keine ist, erkundigt man sich eben schnell einmal im Internet darüber, wem man was wann zu melden hat (s. Gesetz von 1995), und dass die so in Kenntnis gesetzte Hausverwaltung die Kosten eines W. S. Borroughs zu tragen hat (=> Betriebskostenabrechnung).

In die Tüte von Papiere sperren sie die Krabbeltiere...  

Ob es sich tatsächlich um einen Bockkäfer handelt(e) ist nicht gesichert, denn der freundliche Herr Bekämpfer kennt eben nur was er kennen muss, und eine Schabe ist in diesem Fall ausgeschlossen (auch wenn man eine Menge falscher, weil meinen gleicher, Bilder im Internet findet, Obacht!).
Weil. Ganz einfach.
Schaben tragen die Fühler stets falcomäßig nach hinten gelegt, nicht vorwärts fühlend.
Schaben haben keinen segmentierten Körper ("sondern eher wie eine Wurscht", Zitat).
Und haben keine Flügel (dieses Ding flog auch nicht, da Flügel noch nicht ausgewachsen).
Träte man auf eine Schabe um sie zu vernichten (mehr noch dazu), erkenne man sie auf Grund des Geräusches:
Käfer geben wegen ihres Chitinpanzers ein Knirschgeräusch ("wie wenn'S auf Popcorn steigen", Zitat).
Schaben, "da rutschen'S dann eher so weg mit'm Fuß, als würden'S auf eine Nacktschnecke steigen", Zitat.

Und um den Wääh-Faktor noch ein wenig zu steigern, hier der Grund warum man eine Schabe indoor nicht zertreten sollte (auch wenn man denkt, man hielte sie damit davon ab sich zu verbreiten):
So schnell kann das Krabbeltier gar nicht das Zeitliche segnen, als dass es nicht noch schnell sämtliche Nachkommen über Bord wirft.Noch einmal Wilhelm Busch:

Jedes legt noch schnell ein Ei, und dann kommt der Tod herbei.
Und das wäre dann die echte Rache der Cucaracha.
Danke, jetzt wissen wir's.

Dienstag, 12. Juli 2011

Sonntag, 26. Juni 2011

Back to the Roots.

Weil Blüten kann ja jeder.









Schön sind ja auch immer die alten Abbildungen von Pflanzen.
Und besonders gefallen hat mir daher, wie dieser Folder des Donau Festival Krems illustriert wurde:


Wenn Blüten faszinieren und inspirieren, tun Wurzeln das auf eine tiefergreifende Art und Weise.
Da erinnere ich mich, vielleicht einmal das "Rhizom" von Gilles Deleuze und Félix Guattari, wiederzulesen, das ich gegen Ende der 80er in einer Ausgabe des so geschätzten Merve Verlag Berlin erstanden und verschlungen hab.
Denken muss ich auch an die befreundete japanische Künstlerin, die mir einmal berichtete, der Gärtner müsse bei ihr ans Werk gehen, da "vom Bamboo die Füße bis zum Nachbarn hinüber gegangen" seien.

Wenn man einmal über Wurzeln nachzudenken anfängt...

Samstag, 21. Mai 2011

Fun With Windows

Und nein, ich meine damit nicht das weltweit sich für den Hausgebrauch durchgesetzt habende Computerbetriebssystem (sonst hätte ich es wohl Windows® geschrieben).

An alle, die ihre Fenster im Erdgeschoß haben. Macht Euch nicht den Aufwand, die äußeren Scheiben von innen her, also im Zimmer stehend, zu putzen, und auf Schmutzwasserrinnsale und Dreckstropfereien achten zu müssen. Macht Euch Spaß, wo man keinen vermutet.
Nehmt lieber:
- einen Kübel voll Wasser mit ein paar Sprühspritzer Glasreiniger
- einen Kübel voll klarem Wasser
- einen simplen Fensterabzieher
- einen alten Fetzen
- und, immens wichtig, eine Spielzeug-Wasserhochziehspritze, wie diese hier; eine stinknormale Spritzpistole just won't do the job

Jetzt etwas Sommerlich-unempfindliches angezogen (T-Shirt, Shorts, Crocs oder Flipflops oder sonstiges sommerliches Billigplastikschuhwerk ohne Socken), und ab die Post!
Wie's dann funktioniert kann man sich leicht ausrechnen (Putzwasser hochziehen, Fenster nassspritzen, abziehen, wiederholen, klarspritzen, abziehen, wiederholen etc., mit dem Fetzen den Rahmen und das Fensterbrett abwischen, fertig). Aber der Spaß daran ist ja, wie man sich dabei aufführen kann. Vor allem, wenn hinter dem geschlossenen Fenster die Familie die beliebte Ich-fahre-im-Auto-in-die-Waschanlage-mit-Experience abbekommt (besonders, wenn man kein Auto und somit keine Waschstraßenmomente im Leben hat).
Und wenn andere Leute aus anderen Fenstern schauend (am Besten aus Stockwerken in denen man das nicht machen kann, ellabätsch) oder auf der Straße Zeuge dieses Entertainments werden. Inklusive alberner Superheld-Posen und -Gesten.

Eine Wohnung und daher Fenster zu ebener Erde an einer Straße in einer Großstadt zu haben ist in vielen Punkten vielleicht nicht immer das Tollste. Dafür hat man dann auch wieder seine Vorteile, wenn man sich nur ein bisschen Selfmade Fun macht.

It is I, WindowWoman!

Mittwoch, 20. April 2011

Die Frau mit der Häkelnadel

... und der blaue Fleck.

An geradezu jedem Morgen an dem ich um 6 Uhr Früh das Haus verlasse um den Frühdienst in der Arbeit anzutreten, begegne ich einer Frau, die in der selben U-Bahn-Station wie ich einsteigt, an der selben Haltestelle wie ich in eine andere U-Bahn umsteigt wie ich – und dann weiterfährt.

Es ist eine durchschnittlich und unweiblich aussehende, hagere Frau mit kurzem grauem Haar und dem Teint einer Extremstarkraucherin.
Und die meisten Male führt sie in einer Tasche eine Häkelnadel der Stärke nullkommanullnullnull und ein feines weißes Häkelkonstrukt mit sich, an dem sie während "unserer gemeinsamen" Fahrt nach vorne gebeugt unbeirrt dahinhäkelt.
Das ist auch der Grund, warum sie mir aufgefallen ist – nicht wegen ihres Aussehens oder unserer zeitgleichen Fahrt.
Oft schon hab ich mir überlegt, Sie fährt wohl sicher in die Arbeit? Wo bzw. was könnte sie arbeiten? Was macht sie mit den weißen Häkeldeckchen? Verkauft sie sie? Verschenkt sie sie? Ist das ihr Broterwerb?
Insgeheim blickte ich irgendwie zu ihr auf. Nicht dass ich nicht häkeln könnte. Oder es nicht schon in Verkehrsmitteln getan hätte (siehe Flugzeug). Aber die Nadelstärke und die Muster die ich, so höflich dezent wie möglich, erspähen konnte, sind mir eine Abteilung zu fitzelig. Auf Grund des Häkelns war sie mir irgendwie sympathisch. Ich fühlte mich irgendwie verbunden. Ich war nun fast schon so weit, ihr einen respektvollen Morgengruß zuzunicken.

Doch heute war es anders. Heute wurde ich schockiert wie ein kleines Kind, das das erste Mal ausgeschimpft wurde. Wie ein kleiner Welpe, der das Stöckchen auf die Schnauze geworfen bekommen hat. Das Urvertrauen in die Häklerin wurde erschüttert. Ich war persönlich tief getroffen und enttäuscht. Der Gedankenblitz sprach, Das hätte ich mir von ihr nicht gedacht.
Was war geschehen?
Als ich zum Umsteigen zur U-Bahn-Tür vorging, schickte sie sich an aufzustehen – und trat mich dabei versehentlich ans Bein. Ich bin nicht wehleidig oder zimperlich, doch das tat wirklich weh. Sie hatte mich mit der harten Schuhsohlenkante am Sockenbündchen getroffen. Ich rief Au!, sie sagte 'Tschuldige. Ich stieg aus und rieb mir das Bein. Darauf prangt mittlerweile ein kleiner blauer Fleck. Ich konnte mich im zweiten Zug nicht in ihre Nähe setzen – ich war welpenhaft schockiert und konsterniert – und zutiefst enttäuscht.
Nicht dass ich nicht schon öfter einmal in der U-Bahn wo eine Ecke reingehauen bekommen hätte. Nicht dass sie es mit Absicht getan hätte. Nicht, dass ich nicht schon Schlimmeres oder Schmerzhafteres erlebt hätte.
Aber mein Urvertrauen wurde erschüttert. Nicht in die Menschheit – dafür existiert schon länger keines mehr. Aber in die Häklerin. Und das muss ich jetzt erst einmal verarbeiten. So eigenartig das jetzt klingt.

Dienstag, 22. März 2011

Für's Protokoll.

Das Kind schnitt sich heute das erste Mal selbst die Zehennägel; auf eigenen ausdrücklichen Wunsch.

Ein kleiner Schnitt in den Zehennagel, ein großer Schritt in Richtung Selbständigkeit.

Montag, 21. März 2011

Sag mir was du gerade liest

– und ich weiß wie du zur Zeit tickst.

Nachdem mir eine Arbeitskollegin zur Weihnachtswichtelei ein Buch geschenkt hat, und ich aus Prinzip lese was ich bekomme, da man auf diese Weise auch an Einflüsse und Lesestoffinspirationen kommt die man sonst nicht in Erwägung gezogen hätte (und in diesem Fall hätte ich das Buch sicher nicht aus eigenem Willen heraus angedacht oder gar gekauft), und dieses Buch zwar ein ziemlicher Schmöker aber aufgrund seiner Story (und diesen Begriff darf man in diesem Literaturgenre getrost verwenden) und seiner doch leicht flüssig zu lesenden Schreibart ein durchaus rasant zu bewältigender Ziegel (in Anlehnung an Father Jack, wobei ich nicht mit einstimme, "I love my brick!") ist, ist mein Wahrnehmungshintergrund zur Zeit zugleich paranoid-alarmiert geschärft, als auch ein wenig hartgesotten (ohne abgestumpft zu sein).
Beim ersten Anblick dachte ich mir, Oh wei, so dick zu diesem Preis – und Bastei Lübbe (ich hege ein schlimmes Schubladenvorurteil gegenüber Taschenbüchern aus diesem Verlag!).Und doch begann ich es zu lesen und hatte es (unerstaunlicherweise, wie ich schrieb – Bastei Lübbe) in relativ kurzer Zeit "erledigt". Ein Buch, das doch so geschrieben ist, dass man Acht darauf gibt, sich nicht unabsichtlich in der Zeile zu verschauen und schon einen Satz weiter zu lesen. Um sich selbst nicht etwas vorweg zu nehmen.
Glück hatte die Geschichte, dass sie auf Psychologisierereien fußt. Und damit kriegt man mich leicht(er). Blood&Gore allein ist mir zu abgeschmackt. Und zum Glück wurde auf einen unnötigen Aufpeppungsversuch per eingequetschter Romanze verzichtet.
Welches Buch das denn nun sei?
"Die Blutlinie", von Cody McFadyen.
Ja, genau. Nie hätte ich es mir gekauft.
Wie beim Essen ziehe ich beim Lesen einerseits Hochqualitatives vor, bin andererseits aber auch leicht zu bedienen.
Und nun stelle man sich vor, ich fand bei meiner routinemäßigen Stöberei in der Reduziertenkiste der bekannten Papier- und Buchverkaufskette das Nachfolgebuch. Kilopreis ein Euro, würde ich sagen. Nein, ich bin nicht auf den Geschmack von Blut gekommen (nie-nie-niemals würde ich mir diese "Bis zum Abwinken"-Schinken antun), aber so dünn(flüssig) wie befürchtet war das Buch dann gar nicht.
Auch wenn ich schon vor der Zeit einen schweren Verdacht hatte auf wen es tatgeschichtlich letztlich hinauslaufen würde – was mich ein wenig frustriert hat. (Ich hielt mir schon anno dazumal Augen und Ohren zu beim Columbo-Schauen, als in der Anfangsszene gleich gezeigt wurde wer "es" denn gewesen war.)
So absolvierte ich nun also auch gleich den "Todeskünstler" (sind das nicht absolut flache, abgeschmackte, schubladenwürdige Buchtitel?!?).
Mein Kopfhintergrund die letzten Tage und Wöchelchen waren also leicht gefärbt von den Geschichten blutspritzender und -vergießender krankköpfiger Psychopathen sowie der Erinnerung an vor dem inneren Auge aufgezogene Bilder aufs Wüstete verunstalteter Menschenkörper und deren Umfelder.

Auf dem Buchrücken der "Blutlinie" dick zitiert: "Wenn Ihnen dieses Buch keine Angst macht, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen."
Nun begab es sich aber, dass ich just zu dieser Lesezeit eine zwei volle Tage lang dauernde Ersthelferausbildung zu absolvieren (bzw. aufzufrischen) hatte. Blood&Gore Galore. Da war ich ja geradezu richtig eingestimmt. Ich zog (schein)bewusstlose KurskollegInnen mit einer Überzeugung aus Autos oder zog Motorradhelme von ihren pseudokonkussierten instabilen Schädeln; ich herzmassierte und beatmete die lebensnahe Gummipuppe mit einer Ernsthaftigkeit, als wäre ich davon überzeugt sie wieder erwecken zu können. Am nächsten Tag hatte ich Muskelkater an Bauch und Oberschenkeln.
Und in der Realität? Wäre es in der Praxis alles nur Theorie und ich ein Häufchen Hilf- und Mutlosigkeit?
Nein.
Ich bin die Blutungsstillerin. Die Spinnenentfernerin. Die Kotzewegwischerin. Die es nicht graust, würgt oder schüttelt.
Ich hatte keine Angst beim Lesen des Buches – oder danach. Ich hatte keine Albträume, legte es nicht halbgelesen für immer zur Seite, schreckte nicht beim sachtesten Geräusch erstickt-schreiend auf. Ich bin allerdings auch kein gefühlskaltes, verhaltens- oder empfindungsgestörtes Psychozombiemonster das den Arzt aufsuchen sollte. Ich bin nur, wenn's drauf ankommt, Realist. Warum sollte mich Blut nervös machen – nur wenn es sich außerhalb von unter der Haut zeigt. Warum sollte ich Panik vor Spinnen haben – wenn ich ihnen lebensbedrohlicher sein könnte als sie mir. Warum sollte ich mich vor Erbrochenem ekeln – nur weil es Nahrungsmittel sind die ein wenig durchgemischt wurden.

Was mich allerdings anwidert und mein Blut in Wallung bringt, sind Finanzreportagen und -kommentare über die "große Angst und Gefährdung der Investoren aufgrund des durch die Japan-Krise beeinträchtigten Nikkei-Index". Ja, die müssen jetzt große Angst haben, die Investoren. Der Index fiel schließlich um 11 %.
Wer vornehmlich in -solchen- Dimensionen denkt, macht mir in der Tat Angst.