Donnerstag, 13. August 2015

14 Tage im NI'emandsland ~ 9

Sandburgen sind der Inbegriff des Vergänglichen. Gleich wie man sie vor Zugriff oder den Gezeiten schützt, sie vergehen ja doch. Man muss also schnell sein, um sie zu entdecken, und sich für kurze Momente so konzentrieren können, sie genießen zu können.
Es ist wie mit Blumen und Blüten, dem Wetter am Himmel, einem vorbeiziehendem Tier.
Mit unseren Fotokameras gaukeln wir uns selbst vor, Momente einfrieren oder aufheben zu können. Dabei zieht jeder Moment vorbei und wird zum nächsten. Kein Sinn, nervös zu werden, weil man ihn vielleicht verpasst haben könnte: In der Nervosität versäumt man schon den kommenden.

Mittwoch, 12. August 2015

14 Tage im NI'emandsland ~ 8

Vieles fällt einem gar nicht auf, wenn man es stets um sich hat und man es darum vielleicht gar nicht näher betrachtet oder überhaupt nicht hinschaut. In manchen Sprachen kann man leichter absichtlich missverstehen als in anderen.

Schauen wir uns auch morgen wieder um wenn es heißt:

Dienstag, 11. August 2015

14 Tage im NI'emandsland ~ 7

Vielleicht sind Roboter doch harmloser als Menschen.

Schauen wir uns auch morgen wieder um, wenn es heißt:

Montag, 10. August 2015

14 Tage im NI'emandsland ~ 6

Manchmal lohnt es sich, am frühen Abend einen Teller mit Katzenfutter in die Wiese zu stellen. Abgesehen von einem halben Dutzend Katzen und einer Handvoll Nacktschnecken kommt vielleicht auch ein Igel vorbei.

Schauen wir uns auch morgen wieder um, wenn es heißt:

Sonntag, 9. August 2015

14 Tage im NI'emandsland ~ 5

Der nächsten Hitzewelle sind wir also entkommen. Konstante 38 Grad, da könnte ich selbst freie Tage nur absitzen, und nicht genießen.
Dagegen sind 12 Grad fast winterlich, doch bekanntlich kann man sich immer noch etwas anziehen.

Dass es hier im Winter nicht friert, erkennt man auch an der Architektur. Fassadendämmung habe ich hier noch nicht entdeckt, dafür aber spinnwebsartige Konstrukte an den Außenmauern, die scheinbar willkürlich, da an jeder Wand in verschiedener Anordnung und Platzierung, über die Häuser kriechen.

Es ist das Abwasser- und Abflusssystem. Wo Wasser abfließen soll, wird ein Loch gebohrt, ein Rohr durchgesteckt, mit weiteren Rohren verbunden, und fertig.
Das Außergewöhnliche an dem Anblick erklärt sich durch die Temperaturen, die selten unter den Gefrierpunkt fallen. Geplatzte Rohre dürfte es nicht geben, und ein Wasserrohrbruch nicht eine derartige Wirtschaft verursachen.
Es sind immer wieder diese kleinen Details, die Unterschiede aufzeigen, und sie verstehen lassen.

Schauen wir uns auch morgen wieder um, damit wir ein bisschen mehr von der Welt verstehen.

Samstag, 8. August 2015

14 Tage im NI'emandsland ~ 4

Die Seele des Menschen ist so unergründlich, so tiefgründig, so abgrundtief unverständlich. Fernsehdokumentationen über Mörder und deren Beweggründe, ob Mensch "schon böse zur Welt kommt" oder was einen zum Morden bringt, wechseln sich ab mit der Rekapitulierung historischer Ereignisse, Kriege und deren auslösende Momente, Portraits einflussreicher Politiker und die Offenlegung ihrer Pläne, Taten und Motivationen.
Namen schwirren in meinem Kopf, Gesichter und Bilder, Mladic, Göring, Karadcic, Himmler, Milosevic, Goebbels.
Und es gibt nichts zu verstehen, und es gibt nichts zu begreifen, von Treblinka bis Srebrenica, die Menschen schaffen es einfach nicht, Gefallen am Frieden untereinander zu finden, und ihren Nachwuchs dazu zu erziehen.

Was unterschwellig weiterglost und immer wieder ein wenig Lufthauch abbekommt, lodert nur all zu schnell im Nu auf und wird zu einem Flächenbrand, zu einem Feuersturm, in dem jeder mitbrennt. Nicht überraschend. Gezündelt wird immer, ob mehr oder weniger, und oft ist der Brandgeruch einfach nicht mehr unbemerkbar. Viele haben eine feinere Nase, einigen muss es schon die eigenen Barthaare ansengen damit sie realisieren dass es ernst wird. Und manche holen den Blasebalg heraus.

Egal wo egal wann, die Reibereien hören nicht auf. Und dann findet sich über Nacht ein Graffito an einem Verkehrsschild am Rand einer kleinen Ortschaft, das auffordert, die Leben aller Zugehörigen einer Glaubensgemeinschaft zu beenden - K.A.T.
Der Mensch ist wie ein veganer Kannibale.
Und ja und nein, es ergibt keinen Sinn.

Schauen wir uns auch morgen wieder um, wenn es heißt, The Turning of the Shrew.

Freitag, 7. August 2015

14 Tage im NI'emandsland ~ 3

Tourismus und Wirklichkeit.
Jedes Land steckt doch in seiner Schublade drin. Als Österreicher erntet man entweder leer-fragende, oder beeindruckt-bewundernde Blicke. Aber hier, hier geht es nicht so leicht von der Hand mit dem Tourismus. Und wie Österreich mit Australien, Wien mit Venedig, Österreich mit Deutschland, so muss man auch hier klarstellen, wo und wer man ist.
Ein Bayer ist kein Preuße, und ein Wiener kein Deutscher (nein, wirklich nicht), und so ist Großbritannien nicht England, und der Norden ist nicht die Republik, und es ist alles etwas komplizierter als du denkst, aber dann eigentlich doch wieder gar nicht. Stell dir einfach vor, Südtirol. Westberlin. Das ist wichtig, das ist nicht eh dasselbe.
Jedes Land hat so seine Schublade, und wenn an die Republik gedacht wird, bekommen die Meisten ein verklärtes Lächeln, Wie schön, da wollt ich schon immer hin, dort ist es doch so schön. Die grünen Hügel, das Gefiedel in urigen Pubs, die Schafe, die Burgen, die Arbeitslosigkeit, die Misswirtschaft der Politiker, die Steuern aufs Trinkwasser, mah schön.
Achso der Norden, wie ist es denn dort. Hmm.
Die, die nicht nach der geistigen Gesundheit des Reisenden fragen weil sie wissen, Belfast, Derry, Bomben, Gefahr, weil so war das vor zwanzig Jahren, haben auch keine rechte Vorstellung. Da kann ein Schauspieler dutzende Preise erhalten, weil er gespielt hat dass er mit einem großen, berühmten Schiffernakl untergegangen ist, und es wird ein Ausstellungszentrum dessentwegen errichtet, aber das lässt gewiss niemand einen Flug mit Umstieg buchen. Man kommt bis zur englischen Hauptstadt oder bis zur irischen, aber in den Norden gibt's nur Regionalflüge. Und wer tut sich das an, nur um Drehschauplätze einer Fernsehserie zu besichtigen. Auch wenn sie schon vorher Weltkulturerbe waren.

Man braucht für jedes Land einen kompakten Kubus, der das Image beinhaltet. Alles Schöne rein, alles Einzigartige, und ein bisschen Info und Realismus, weil man kennt sich ja aus.
Ein ganzes Land auf einem Foto, auf einer Ansichtskarte. Sisi auf einem Lipizzaner vor dem Stephansdom, daneben der geigende Mozart, dem Sachertorte mit Schnitzel und Melange serviert wird.

Schauen wir uns auch morgen wieder um und halten wir die Augen offen.