Samstag, 21. Mai 2011

Fun With Windows

Und nein, ich meine damit nicht das weltweit sich für den Hausgebrauch durchgesetzt habende Computerbetriebssystem (sonst hätte ich es wohl Windows® geschrieben).

An alle, die ihre Fenster im Erdgeschoß haben. Macht Euch nicht den Aufwand, die äußeren Scheiben von innen her, also im Zimmer stehend, zu putzen, und auf Schmutzwasserrinnsale und Dreckstropfereien achten zu müssen. Macht Euch Spaß, wo man keinen vermutet.
Nehmt lieber:
- einen Kübel voll Wasser mit ein paar Sprühspritzer Glasreiniger
- einen Kübel voll klarem Wasser
- einen simplen Fensterabzieher
- einen alten Fetzen
- und, immens wichtig, eine Spielzeug-Wasserhochziehspritze, wie diese hier; eine stinknormale Spritzpistole just won't do the job

Jetzt etwas Sommerlich-unempfindliches angezogen (T-Shirt, Shorts, Crocs oder Flipflops oder sonstiges sommerliches Billigplastikschuhwerk ohne Socken), und ab die Post!
Wie's dann funktioniert kann man sich leicht ausrechnen (Putzwasser hochziehen, Fenster nassspritzen, abziehen, wiederholen, klarspritzen, abziehen, wiederholen etc., mit dem Fetzen den Rahmen und das Fensterbrett abwischen, fertig). Aber der Spaß daran ist ja, wie man sich dabei aufführen kann. Vor allem, wenn hinter dem geschlossenen Fenster die Familie die beliebte Ich-fahre-im-Auto-in-die-Waschanlage-mit-Experience abbekommt (besonders, wenn man kein Auto und somit keine Waschstraßenmomente im Leben hat).
Und wenn andere Leute aus anderen Fenstern schauend (am Besten aus Stockwerken in denen man das nicht machen kann, ellabätsch) oder auf der Straße Zeuge dieses Entertainments werden. Inklusive alberner Superheld-Posen und -Gesten.

Eine Wohnung und daher Fenster zu ebener Erde an einer Straße in einer Großstadt zu haben ist in vielen Punkten vielleicht nicht immer das Tollste. Dafür hat man dann auch wieder seine Vorteile, wenn man sich nur ein bisschen Selfmade Fun macht.

It is I, WindowWoman!

Mittwoch, 20. April 2011

Die Frau mit der Häkelnadel

... und der blaue Fleck.

An geradezu jedem Morgen an dem ich um 6 Uhr Früh das Haus verlasse um den Frühdienst in der Arbeit anzutreten, begegne ich einer Frau, die in der selben U-Bahn-Station wie ich einsteigt, an der selben Haltestelle wie ich in eine andere U-Bahn umsteigt wie ich – und dann weiterfährt.

Es ist eine durchschnittlich und unweiblich aussehende, hagere Frau mit kurzem grauem Haar und dem Teint einer Extremstarkraucherin.
Und die meisten Male führt sie in einer Tasche eine Häkelnadel der Stärke nullkommanullnullnull und ein feines weißes Häkelkonstrukt mit sich, an dem sie während "unserer gemeinsamen" Fahrt nach vorne gebeugt unbeirrt dahinhäkelt.
Das ist auch der Grund, warum sie mir aufgefallen ist – nicht wegen ihres Aussehens oder unserer zeitgleichen Fahrt.
Oft schon hab ich mir überlegt, Sie fährt wohl sicher in die Arbeit? Wo bzw. was könnte sie arbeiten? Was macht sie mit den weißen Häkeldeckchen? Verkauft sie sie? Verschenkt sie sie? Ist das ihr Broterwerb?
Insgeheim blickte ich irgendwie zu ihr auf. Nicht dass ich nicht häkeln könnte. Oder es nicht schon in Verkehrsmitteln getan hätte (siehe Flugzeug). Aber die Nadelstärke und die Muster die ich, so höflich dezent wie möglich, erspähen konnte, sind mir eine Abteilung zu fitzelig. Auf Grund des Häkelns war sie mir irgendwie sympathisch. Ich fühlte mich irgendwie verbunden. Ich war nun fast schon so weit, ihr einen respektvollen Morgengruß zuzunicken.

Doch heute war es anders. Heute wurde ich schockiert wie ein kleines Kind, das das erste Mal ausgeschimpft wurde. Wie ein kleiner Welpe, der das Stöckchen auf die Schnauze geworfen bekommen hat. Das Urvertrauen in die Häklerin wurde erschüttert. Ich war persönlich tief getroffen und enttäuscht. Der Gedankenblitz sprach, Das hätte ich mir von ihr nicht gedacht.
Was war geschehen?
Als ich zum Umsteigen zur U-Bahn-Tür vorging, schickte sie sich an aufzustehen – und trat mich dabei versehentlich ans Bein. Ich bin nicht wehleidig oder zimperlich, doch das tat wirklich weh. Sie hatte mich mit der harten Schuhsohlenkante am Sockenbündchen getroffen. Ich rief Au!, sie sagte 'Tschuldige. Ich stieg aus und rieb mir das Bein. Darauf prangt mittlerweile ein kleiner blauer Fleck. Ich konnte mich im zweiten Zug nicht in ihre Nähe setzen – ich war welpenhaft schockiert und konsterniert – und zutiefst enttäuscht.
Nicht dass ich nicht schon öfter einmal in der U-Bahn wo eine Ecke reingehauen bekommen hätte. Nicht dass sie es mit Absicht getan hätte. Nicht, dass ich nicht schon Schlimmeres oder Schmerzhafteres erlebt hätte.
Aber mein Urvertrauen wurde erschüttert. Nicht in die Menschheit – dafür existiert schon länger keines mehr. Aber in die Häklerin. Und das muss ich jetzt erst einmal verarbeiten. So eigenartig das jetzt klingt.

Dienstag, 22. März 2011

Für's Protokoll.

Das Kind schnitt sich heute das erste Mal selbst die Zehennägel; auf eigenen ausdrücklichen Wunsch.

Ein kleiner Schnitt in den Zehennagel, ein großer Schritt in Richtung Selbständigkeit.

Montag, 21. März 2011

Sag mir was du gerade liest

– und ich weiß wie du zur Zeit tickst.

Nachdem mir eine Arbeitskollegin zur Weihnachtswichtelei ein Buch geschenkt hat, und ich aus Prinzip lese was ich bekomme, da man auf diese Weise auch an Einflüsse und Lesestoffinspirationen kommt die man sonst nicht in Erwägung gezogen hätte (und in diesem Fall hätte ich das Buch sicher nicht aus eigenem Willen heraus angedacht oder gar gekauft), und dieses Buch zwar ein ziemlicher Schmöker aber aufgrund seiner Story (und diesen Begriff darf man in diesem Literaturgenre getrost verwenden) und seiner doch leicht flüssig zu lesenden Schreibart ein durchaus rasant zu bewältigender Ziegel (in Anlehnung an Father Jack, wobei ich nicht mit einstimme, "I love my brick!") ist, ist mein Wahrnehmungshintergrund zur Zeit zugleich paranoid-alarmiert geschärft, als auch ein wenig hartgesotten (ohne abgestumpft zu sein).
Beim ersten Anblick dachte ich mir, Oh wei, so dick zu diesem Preis – und Bastei Lübbe (ich hege ein schlimmes Schubladenvorurteil gegenüber Taschenbüchern aus diesem Verlag!).Und doch begann ich es zu lesen und hatte es (unerstaunlicherweise, wie ich schrieb – Bastei Lübbe) in relativ kurzer Zeit "erledigt". Ein Buch, das doch so geschrieben ist, dass man Acht darauf gibt, sich nicht unabsichtlich in der Zeile zu verschauen und schon einen Satz weiter zu lesen. Um sich selbst nicht etwas vorweg zu nehmen.
Glück hatte die Geschichte, dass sie auf Psychologisierereien fußt. Und damit kriegt man mich leicht(er). Blood&Gore allein ist mir zu abgeschmackt. Und zum Glück wurde auf einen unnötigen Aufpeppungsversuch per eingequetschter Romanze verzichtet.
Welches Buch das denn nun sei?
"Die Blutlinie", von Cody McFadyen.
Ja, genau. Nie hätte ich es mir gekauft.
Wie beim Essen ziehe ich beim Lesen einerseits Hochqualitatives vor, bin andererseits aber auch leicht zu bedienen.
Und nun stelle man sich vor, ich fand bei meiner routinemäßigen Stöberei in der Reduziertenkiste der bekannten Papier- und Buchverkaufskette das Nachfolgebuch. Kilopreis ein Euro, würde ich sagen. Nein, ich bin nicht auf den Geschmack von Blut gekommen (nie-nie-niemals würde ich mir diese "Bis zum Abwinken"-Schinken antun), aber so dünn(flüssig) wie befürchtet war das Buch dann gar nicht.
Auch wenn ich schon vor der Zeit einen schweren Verdacht hatte auf wen es tatgeschichtlich letztlich hinauslaufen würde – was mich ein wenig frustriert hat. (Ich hielt mir schon anno dazumal Augen und Ohren zu beim Columbo-Schauen, als in der Anfangsszene gleich gezeigt wurde wer "es" denn gewesen war.)
So absolvierte ich nun also auch gleich den "Todeskünstler" (sind das nicht absolut flache, abgeschmackte, schubladenwürdige Buchtitel?!?).
Mein Kopfhintergrund die letzten Tage und Wöchelchen waren also leicht gefärbt von den Geschichten blutspritzender und -vergießender krankköpfiger Psychopathen sowie der Erinnerung an vor dem inneren Auge aufgezogene Bilder aufs Wüstete verunstalteter Menschenkörper und deren Umfelder.

Auf dem Buchrücken der "Blutlinie" dick zitiert: "Wenn Ihnen dieses Buch keine Angst macht, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen."
Nun begab es sich aber, dass ich just zu dieser Lesezeit eine zwei volle Tage lang dauernde Ersthelferausbildung zu absolvieren (bzw. aufzufrischen) hatte. Blood&Gore Galore. Da war ich ja geradezu richtig eingestimmt. Ich zog (schein)bewusstlose KurskollegInnen mit einer Überzeugung aus Autos oder zog Motorradhelme von ihren pseudokonkussierten instabilen Schädeln; ich herzmassierte und beatmete die lebensnahe Gummipuppe mit einer Ernsthaftigkeit, als wäre ich davon überzeugt sie wieder erwecken zu können. Am nächsten Tag hatte ich Muskelkater an Bauch und Oberschenkeln.
Und in der Realität? Wäre es in der Praxis alles nur Theorie und ich ein Häufchen Hilf- und Mutlosigkeit?
Nein.
Ich bin die Blutungsstillerin. Die Spinnenentfernerin. Die Kotzewegwischerin. Die es nicht graust, würgt oder schüttelt.
Ich hatte keine Angst beim Lesen des Buches – oder danach. Ich hatte keine Albträume, legte es nicht halbgelesen für immer zur Seite, schreckte nicht beim sachtesten Geräusch erstickt-schreiend auf. Ich bin allerdings auch kein gefühlskaltes, verhaltens- oder empfindungsgestörtes Psychozombiemonster das den Arzt aufsuchen sollte. Ich bin nur, wenn's drauf ankommt, Realist. Warum sollte mich Blut nervös machen – nur wenn es sich außerhalb von unter der Haut zeigt. Warum sollte ich Panik vor Spinnen haben – wenn ich ihnen lebensbedrohlicher sein könnte als sie mir. Warum sollte ich mich vor Erbrochenem ekeln – nur weil es Nahrungsmittel sind die ein wenig durchgemischt wurden.

Was mich allerdings anwidert und mein Blut in Wallung bringt, sind Finanzreportagen und -kommentare über die "große Angst und Gefährdung der Investoren aufgrund des durch die Japan-Krise beeinträchtigten Nikkei-Index". Ja, die müssen jetzt große Angst haben, die Investoren. Der Index fiel schließlich um 11 %.
Wer vornehmlich in -solchen- Dimensionen denkt, macht mir in der Tat Angst.

Donnerstag, 17. März 2011

Wir drehen eine Runde Mitleid

Und sogleich gehe ich in Medias Res.
Wer bestürzt ist über jemand Anderens Schicksal, ist in Wahrheit nur in Angst über/um seine eigene Existenz. Der pure Egoismus.
Denn meiner An- und Einsicht nach ist das durchschnittliche menschliche Mitgefühl verwechselnd ähnlich dem Selbstmitleid. Automatisch wird das was Anderen zustößt auf das eigene Leben projiziert. Wir stellen uns im selben Augenblick vor, es würde uns selbst geschehen. Und leiden mit. Uns selbst.
Brutalitäten und Katastrophen – wir sehen uns selbst, unsere Familie, unsere engste Umwelt. Das wollen wir nicht am eigenen Leib erleben.
Wie das Engagement im Umweltschutz. Wer lebt denn in dieser Umwelt die nicht verändert, besonders zum (für uns) Negativen, werden soll? Exakt: Wir selbst.
Wir wollen keine Drecksluft atmen. Wir wollen nicht auf Müllbergen sitzen. Wir wollen was Feines schnabulieren. Und keine Schmerzen haben. Und ewig leben. Und unsere Familie und Freunde auch. Weil, ohne sie wären wir alleine.
Wir finden schrecklich, was Anderen widerfährt. Weil wir Angst bekommen, es könne uns selbst zustoßen. Wir gehen, (selbst)verständlicherweise, direkt von uns selbst aus. Wir münzen unterschwellig alles auf uns selbst – und unsere Lebensbedingungen.
Da sind wir extrem egoistisch.
Und dieses Phänomen geht Hand in Hand mit seiner Schattenseite: Dem grünen Gras auf der anderen Seite. Dem Neid gegenüber all dem, was besser scheint als was wir selber haben und bekommen. Dem, womit Andere "durchkommen", während wir selbst schändlich bestraft würden.
Der Mensch ist und bleibt ein Säugetier. Mit all seinen Instinkten.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Winter 2010/11

Große Designer zeigen die Winter-Kollektion ja schon im vorhergehenden Sommer.
Kleine Selbermacherinnen dann halt dann, wenn der heurige Winter (hoffentlich) nahezu schon Geschichte ist.

Wo Gestresstheit auf gleichzeitige Faulheit trifft (jawohl, das gibt es), wird nicht dokumentiert, was neben dem begeisterten Schauen von z. B. Lie to Me (im famosen Original) so alles entstanden ist in den vergangenen Wochen und Monaten. Mmmh, einer meiner topfavorisierten Schausteller. Seit... na, auch schon über zwanzig Jahren.
Aber nun zurück zu meinen eigenen Werken, da gibt's jetzt kein Herumdrückenwollen.

Was ich ja schon im Spätsommer angesprochen habe, war die Liste der Schule, die unter Anderem auch nach Stoffsackerln ersuchte. Zwei an der Zahl; für Turnsachen und Hausschuhe.
Hier zu sehen: Der Turnbeutel sowie eine der ebenfalls angefragten Stoffservietten. Jeweils handgestichelt bzw. handgekordelt, alles aus Geschirrtüchern aus dem Euroshop. Das Namensschildchen ist voll Mutterstolz ganz offensichtlich auch selbst gepfriemelt. Wovon ich kein Bild habe: Der Malkittel sowie die "Malfetzerl". Die befinden sich nämlich dauernd in der Schule.

Dann erinnere man sich an meine Pseudo-Schafwoll-Optik-Mütze mit dazupassendem Herrn Moebius. Da schrie das Kind, So eine möcht ich auch!, und so geschah's. Für ihn allerdings mit weniger mädchenhaftem Zipfel an der Mütze. (Auch wenn er später protestierte, ich solle ihm das eines Tages bitte auch in eine Nougatbommel umtauschen.)

Weiters bat das Kind um (Bein)Stulpen. Als er sah dass Muttern sich mit dem Zopfmuster angefreundet hatte, mussten da auch Zöpfe rein. Also aufgeribbelt und noch mal gemacht.

Hier sieht man den Ritterschal für den Herrn und den Ritterschal für den Knaben. In Anlehnung an das Kettenhäubchen und den Schal, von mir "Scoif" tituliert. Der Herr bekam's überraschenderweise zu Weihnachten, das Kind mal so zwischendurch. Simpleres Muster nahezu unmöglich; Wirkung: ziemlich echt. (Und wer mal in eine neuere BBC-Serie betreffend Robin Hood reingeschaut hat, erkennt die Idee zum Fake-Kettenhemdlook vielleicht. Kam nicht gut bei BBC, shame on your Kostümabteilung, ist aber gut genug für meinen Hausgebrauch.)

Und da ist es, das doppelte Déjà-Vu. Einerseits die Pseudo-Schafwolle, andererseits die Zöpfe. Ja, ich wollte mich selbst herausfordern. Und ja, ich hatte wohl einen schottischen Moment.

Zu einem feierlichen Anlass schenkte ich meiner Mutter einmal einen USB-Stick. Damit ich ihr Kinderbilder nicht mehr mühsam mailen muss, sondern sie sie bequem automotorisch nach Haus bringen kann. Doch meine Mutter ist eine jener Damen, die großformatige Handtaschen mit weniger als einem kleinen Zusatzfach im Inneren favorisiert. Und da verliert sich so ein Stickchen mal schnell im Gewühl. Darum musste überraschenderweise ein Schutztäschchen her. Aus schwedischem Reststoff, gefüttert mit einem dieser samtbeflockten Plastikmaterialien, für mehr Stabilität. Tadah.

Und was macht Frau wenn sie über Weihnachten frei hat? Auf der Couch sitzen und grübeln wie der Sitzcomfort verbessert werden könnte. Und so gesellte sich zu den zwei anderen quadratrischen Pölstern (von denen einer im Zuge dieser Aktion etwas mehr Stopfvolumen und auch gleich eine ordentliche Innenhülle erhielt) ein dritter hinzu. Polster aus aufgelassenem Still- bzw. Kinderbett-Kissen und weißem Baumwollstoff aus der schwedischen Restekiste, Unterhülle ebenso, und einer zählgestrickten Außenhülle. Und weil Rautenstrick allein so glatt-verkehrt ist, bekam das Ganze während der Zusammenhäkelei gleich ein paar Knubbel dazu.

Nachdem mir meine Mutter nach ihren Groß-Umsortier- und -Aufräumarbeiten bergeweise Wolle, Stoffe und stapelweise Handarbeitszeitschriften aus den frühen 80ern zu- und nach Haus getragen hat, die sie sonst weggeworfen hätte (Schnappatmung #1: das kann man nicht wegschmeißen!, das ist hochgeschätztes Retro-Handarbeitsgut!! und Schnappatmung #2: bitte wo soll ich das jetzt alles bei mir unterbringen!!), entdeckte ich in einem der Säcke eine honiggelbe feine Merinowolle... diese typische "so leicht und doch so warm"-Wolle. Bloß nicht gerade in "meiner" Farbe. Also musste das Kind daran glauben. Honig? Karamell? Oder, laut dem Herrn des Hauses, die schlimmste so-80er-Farbe die er je gesehn hat? Das Foto spottet der Wollfarbe Beschreibung. Es macht sie zu senfig, was sie nicht ist. Sie ist... einfach 80er. Sowas traut sich heutzutage keiner mehr herzustellen. Ist aber so schön komplementär zu des Kindes Augenfarbe, da geht das dann schon.

Und fast vergessen: Endlich wurde aus meiner Idee und Illusion, meinen Computersessel ein wenig aufzumotzen (ich betone nochmals: Lie to Me zu schauen, vor dem Computerbildschirm und auf dem Computersessel, welcher schon über zehn Jahre auf der Sitzfläche hat und bei dem einem schon die Schrauben ins Hinterteil bohren, verleidet mit Fortschreiten der Zusehdauer das Vergnügen) Wirklichkeit bzw. Praxis. Schon seit einiger Zeit hatte ich ein Sitzkissen (wie man sie für Esstischstühle kauft) in petto, und einen vagen Plan, wie ein Überzug zu dem Ganzen aussehen könnte. Nun war also die Zeit reif, bzw. fand ich in derselben schwedischen Fundkiste einen netten Stoff, und machte mich sogleich ans Werk. Ja, handgenäht. Nein, nicht vermessen, nur mal so drübergeworfen. Und ja, abnehm- und waschbar. Mit Gummizügen. Weil was nützt mir all die Schönheit, wenn sie nach einiger Zeit wieder grau gesessen ist. Resultat: Viel besser in puncto Poschmeichelfaktor. Und endlich auch nicht mehr nur so schwarz.

Very last aber sicherlich nicht least ist hier das Werkstück des Kindes, auf dessen Herstellung er sich schon so lange gefreut hat:
Jakes hand(bzw. finger)gestrickter Schal.
Ewig schon lag er mir in den Ohren, er möchte Häkeln und Stricken lernen. Bekam zu Weihnachten ein Lehrbuch für Kinder, über das Häkeln. Fand mühsam heraus, wie man die Strickliesl zu ansehnlichen Ergebnissen würgen kann. Und dann kam die Schulwerkstunde. Und das Fingerstricken. Und der Bub war selig.
Übrigens freut er sich schon immens auf das nächste Schul-Handarbeitsprojekt: Es soll gestickt werden. Ich freu mich schon mit.

Wovon es leider keine Abbildungen gibt, sind bereits vergebene Geschenke.
Ein dicker, garniger, weicher Moebius für die Quasischwiegermutter.
Ein miniatürliches ungarisches Flohmarkt-Tässchen, das für die eigene Mutter zum Nadeltässchen umfunktioniert wurde (wir alle kennen die Idee: Nadelpolster füllt Tasse, sieht schnucklig aus, hat Zickzackbörtchen etc. pp.; inklusive Untertässchen zur Ablage von Fingerhüten und anderem nähtechnischem Allerlei).
Weiters ein Paar leicht bezopfte weiche Pulswärmer für die Kollegin (da sie sich so etwas in aller Öffentlichkeit vom Christkind gewünscht hatte; ellabätsch, sowas sagt man nicht laut wenn ich daneben steh).
Dem folgt dann ein dazupassender Moebius, welcher in der Serie allerdings etwas zu unspektakulär zum Hierherzeigen ist.
Außerdem strickte ich mir über Weihnachten auch einen Pullunder, den ich aber von Anfang an irgendwie nicht mochte. Und da sich so ein Wollbabyblues bei mir selten auswächst sondern höchstens auf die Dauer immer stärker schlechtes Gewissen verströmt, hab ich das Ding herzlos und kaltblütig mehr oder weniger gleich nach Fertigstellung wieder in seine DNA-Stränge zurückaufgelöst.

– Da gerade vorhin das Wort "unspektakulär" fiel. Spektakulär sind die oben gezeigten Pfriemeleien sicherlich nicht. Aber wenn ich sie hier so aufreihe, gibt mir das schon irgendwie das Gefühl der Selbstbestätigung, dass ich meine knappen Abende und freien Tage vor allem im Winter doch nicht so nutz- und ergebnislos in die Finsternis verstreichen habe lassen.
Und bald ist es wieder Zeit, sich in den Garten hinauszuwagen, und entzückt wie jedes Jahr die gleichen Blüten und Keimlinge abzulichten.
Bald. Aber nicht gleich auf der Stelle.

Gentleman statt Hooligan!

Dieser Slogan für eine imaginäre, aber sicher nicht unangebrachte Sozial-Kampagne fiel mir Ende vergangener Woche ein, als ich magenkrampfgeschüttelt durch eine offene Glastür zum U-Bahn-Bahnsteig in Richtung Heimat wackeln wollte.
Denn einen Sekundenbruchteil nach mir schickte sich ein Mann an, in der entgegengesetzten Richtung denselben Durchgang zu benutzen. Wenn ich sage, Mann, dann meine ich einen nahezu zwei Köpfe größeren und doppelt so breiten Herren ungefähr meines Alters. Der den Türrahmen ausfüllte. Und es stur dabei beließ. Auch auf ein "Pardon?" meinerseits keinen Muskel bewegte. (Ich fühlte mich zu unwohl um nach Strategie Nummer 1, nämlich der Höflichkeit, Schiene 2, nämlich den Humor, anzuwenden, und frohlockend "Sesam, öffne dich!" zu rufen.)
Frech und trotzig wie auch ich es sein kann, kapitulierte ich angesichts der sich nicht mehr rühren wollenden und ziemlich finster dreinblickenden Fleischmasse und stapfte demonstrativ in betontem Rückwärtsgang meine letzten drei Schritte retour, auf dass die Dame zuerst weiterschreiten konnte. Da polterte die Türfüllung auch noch ein "Unglaublich.", auf das ich ein spontanes "In der Tat!" hervorbrachte (und ja, ich spreche wirklich so). Wäre er nicht an die 2 Meter und 130 Kilo inklusive Grimmblick gewesen, hätte ich ihm wohl nachgeträllert, was mir in dem Moment durch den Kopf schoss:
Ladies first!
Und daraus wurde in meinem Kopf auf der Stelle "Gentleman statt Hooligan".

Ist es eine Nebenwirkung der bislang noch nicht tatsächlich funktionierenden "Gleichberechtigung", dass Frauen jetzt ohne schlechten Gewissens nicht die Tür aufgehalten wird, sondern einem selbige an den Kopf geknallt werden darf? Trifft es sich denn nicht, dass man im Durchschnitt kleinere und leichtgewichtigere Frauen einfacher zur Seite schubsen kann? Gilt jetzt ganz einfach wieder ganz allgemein: Survival of the Fittest?
Vielleicht ist es mit dem Knigge in der Praxis ohnehin nie weit her gewesen.
Vielleicht gab es das Türaufhalten, das In-den-Mantel-Helfen, das Taschen-Tragen – vielleicht gab es das ohnehin nur in elitäreren Kreisen, in wohlhabenderen Schichten. Dass einem beim Diner das Sesselchen zurecht geschoben wird. Höchstwahrscheinlich hat man(n) einer Marktstandlerin ebenso wenig den Vortritt gelassen wie heute.
Was ja nicht heißen soll dass ich jetzt allein aufgrund meiner Chromosome rundum gepampert werden will. Eher, dass sich egal-wer egal-wem gegenüber zuvorkommend, rücksichtsvoll und höflich verhält. Ich halt gern mal einem Bullen von Mann die Tür auf. Damit hab ich überhaupt kein Problem. Nur damit, wenn es sich auf die primitive Ebene reduziert: Ich bin größer, ich bin stärker, drum bin ich Erster, und du bist nix.
Aber ach ja, der Tyrannosaurus Rex hat's ja nie zum Friedensnobelpreis gebracht...