Nachdem Apartment Therapy seine January Cure 2014 eröffnet hat, stand auf dem Plan für dieses Wochenende, die Böden makellos zu säubern – macht aufmerksam dafür, was am Boden (= in den üblichen Winkeln) umherlungert, und auch gleich einen viel besseren Eindruck (= Motivation).
Da ich es schon länger auf meiner inexistenten ToDo-Liste hatte und diesen Sonntag, weil vorangegangenes Ausgehen inklusive nachfolgendem Ausgehschädelauskurieren ausgefallen ist, Wachzeit und Energie übrig hatte, bewaffnete ich mich mit den dazu notwendigen Utensilien und ging ans Werk.
Und das geht so.
Mit Molto Fugenreiniger werden die Bodenfliesenfugen eingewischt. Ausgemusterten Bürstenkopf auf die elektrische Zahnbürste (deren Griff man zum Schutz mit Alufolie einpackt) aufstecken, Reiniger kurz auf der höchsten Stufe in die Fugen einmassieren.
Danach mit üblichem Bodenputzwasser saftig über den Fliesenboden verteilen – entgegen der Anleitung, nur die Fugen mit dem Gel einzulassen, schmiere man mit dem Bodenwischtuch über die gesamte Fläche. Denn das Gel macht auch die Fliesen selbst phantastisch rein.
Das Gel soll mindestens zehn Minuten einwirken – dadurch dass man immer nur eine Armlänge im Radius bearbeiten soll (hier ein Gruß ins Jenseits an Herrn Haring!) damit man sich nicht selbst einsperrt, ergibt sich diese Zeit von allein.
Zurück zum Start, wenn der Boden halbwegs aufgetrocknet ist: Mit der ins Wischwasser getauchten Zahnbürste werden die Fugen geschrubbt, bis der Schmutz spritzt und die Fugen immer heller werden. Danach wieder mit frischem Wischwasser drüberwaschen.
Fugen revisited: Das Ganze wiederholen. Da geht noch was. Und wieder mit frischem Wasser drüberwaschen.
Langsam wird der Akku schwach, das Kreuz schmerzt, das Kind braucht Mittagessen und die Toilette, aber fast hat man's geschafft.
Kommt nämlich darauf an, ob man nach dem Trocknen sieht, dass es noch Stellen gibt, die eine neuerliche Waschung brauchen.
Es muss nicht immer alles perfekt sein. Aber, zugegeben, es ist schon schön, wenn es das einmal ist.
Sonntag, 5. Januar 2014
Mittwoch, 1. Januar 2014
Montag, 30. Dezember 2013
Angenervtsein ist nützlich!
Richtig gelesen: angenervt zu sein ist nützlich. Äußerst produktiv!
Und wann ist man schnell mal grund-genervt? Wenn man nach Weihnachten frei hat und das Wetter düster ist. Man selbst vielleicht auch noch witterungsbedingt angeschlagen. Dieses Angenervtsein lässt sich im Handumdrehn in Produktivität und damit in Satisfaktion umkehren.
Man verbringt mehr Zeit in den eigenen vier Wänden, und so kommen sie ans Tageslicht, die ständig latent und unterschwellig nervenden Dinge. Der quietschende, schnarrende Bürosessel des Mannes. Der Garderobeständer, der einem vermehrt im Weg ist. Man stößt eben häufiger an Dinge, denen man sonst nicht so oft begegnet.
Direkt nach dem Motto, Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt, ist auch reichlich Zeit, jetzt den nervenden Dingen den Garaus zu machen.
Du quietschst? Du wirst geölt. Mit dem Nähmaschinenölfläschchen in der Hand gehe man von Raum zu Raum und testbewege alle (alle!) Lädchen und Scharnierchen, ob sie Geräusche von sich geben. Was nicht still ist, wird still gemacht. Ruhe und Frieden im Haus!
Man ist auf der Suche nach etwas Essbarem? Hat vor den Feiertagen doch nicht genug eingekauft? Es findet sich nichts Adäquates? Variante a: Experimentieren mit dem was da ist, und damit aufbrauchen was sonst noch länger herumsteht. Jetzt hat man ja die Zeit! Und wenn man wirklich absolut keinen Appetit darauf hat, Variante b: wegschmeißen. Vieles wird sich finden, was die Produzenten via timeline ohnehin schon für den Mistkübel abgeschrieben haben.
Der Nachwuchs ist im Bett, man darf so lange aufbleiben wie man will, aber das Fernsehprogramm gibt keine Kurzweil her? Musik aufdrehen (über's Fernsehen werbe- und kommentarfreie Pseudosender, nach Genre sortiert, machen sich besonders fein) und Laden, Ordner, Schachteln, Aufbewahrungskörbe herbeiholen. Und ein paar Mistsackerl. Was damit geschehen soll ist klar. Der Pluspunkt der angenervten Laune: Man trennt sich schneller und leichter von Dingen. Das Jahr ist fast um – aus welchem Jahr ist dieser Beleg? Ich bitte dich...
Aus meinen Augen! Statt diesen Gefühlszustand der Familie entgegenzuschmettern, lässt man ihn besser an unverwendeten Dingen aus.
Lässt man sich allerdings dazu hinreißen, in den Einkaufsstraßen nach Kleidung im Ausverkauf zu schauen, nützt das (besonders auch von solchen, oft frustrierenden, Shoppingtouren multiplizierte) Genervtsein dem eigenen Kleiderschrank (der, so ist es doch, immer eine Entschlackungskur vertragen kann).
Schritt 1: Fetzengeschäfte frequentieren. Nicht unbedingt etwas kaufen. Genervtseinsgefühl bis zu Hause konservieren!
Schritt 2: Zu Hause den eigenen Kleiderschrank mit demselben Blick betrachten. So sieht man viel schneller, was abgetragen ist und einem eigentlich gar nicht (mehr) so gefällt. Hätte ich das grad vorher gekauft? Was springt mir ins Auge, möchte ich anprobieren? Und was nicht? Sind nur mehr passende, schöne Lieblingsstücke übrig? Und wie's hier aussieht! Im Geschäft hätte man pikiert den Kopf geschüttelt. Im Eigenheim ordnet man schnell den Kleiderschrank.
Man kann die Pölster auf dem Sofa schon nicht mehr sehn? Her mit einem neuen oder anderen Bezug. Oder gleich anderen Pölstern. Oder Sofa?
Wie nützlich es ist, wenn man intensiver von Gegenständen genervt wird. Man erkennt sie gleich – und hat auch mehr Ambitionen, sich von ihnen zu trennen bzw. die Situation zu verbessern. Für ToDo-Listen werden erst gar nicht Zeit und Nerven verschwendet.
Nach Vollendung (die meist schneller als gedacht erreicht ist) ist auch Schluss mit dem Angenervtsein. Man ist zufriedener mit den Dingen, und mit sich selbst auch. Man muss nur schauen, dass man seinen stillen Grant channelt. Dann wird alles wieder schöner und besser.
Und wann ist man schnell mal grund-genervt? Wenn man nach Weihnachten frei hat und das Wetter düster ist. Man selbst vielleicht auch noch witterungsbedingt angeschlagen. Dieses Angenervtsein lässt sich im Handumdrehn in Produktivität und damit in Satisfaktion umkehren.
Man verbringt mehr Zeit in den eigenen vier Wänden, und so kommen sie ans Tageslicht, die ständig latent und unterschwellig nervenden Dinge. Der quietschende, schnarrende Bürosessel des Mannes. Der Garderobeständer, der einem vermehrt im Weg ist. Man stößt eben häufiger an Dinge, denen man sonst nicht so oft begegnet.
Direkt nach dem Motto, Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt, ist auch reichlich Zeit, jetzt den nervenden Dingen den Garaus zu machen.
Du quietschst? Du wirst geölt. Mit dem Nähmaschinenölfläschchen in der Hand gehe man von Raum zu Raum und testbewege alle (alle!) Lädchen und Scharnierchen, ob sie Geräusche von sich geben. Was nicht still ist, wird still gemacht. Ruhe und Frieden im Haus!
Man ist auf der Suche nach etwas Essbarem? Hat vor den Feiertagen doch nicht genug eingekauft? Es findet sich nichts Adäquates? Variante a: Experimentieren mit dem was da ist, und damit aufbrauchen was sonst noch länger herumsteht. Jetzt hat man ja die Zeit! Und wenn man wirklich absolut keinen Appetit darauf hat, Variante b: wegschmeißen. Vieles wird sich finden, was die Produzenten via timeline ohnehin schon für den Mistkübel abgeschrieben haben.
Der Nachwuchs ist im Bett, man darf so lange aufbleiben wie man will, aber das Fernsehprogramm gibt keine Kurzweil her? Musik aufdrehen (über's Fernsehen werbe- und kommentarfreie Pseudosender, nach Genre sortiert, machen sich besonders fein) und Laden, Ordner, Schachteln, Aufbewahrungskörbe herbeiholen. Und ein paar Mistsackerl. Was damit geschehen soll ist klar. Der Pluspunkt der angenervten Laune: Man trennt sich schneller und leichter von Dingen. Das Jahr ist fast um – aus welchem Jahr ist dieser Beleg? Ich bitte dich...
Aus meinen Augen! Statt diesen Gefühlszustand der Familie entgegenzuschmettern, lässt man ihn besser an unverwendeten Dingen aus.
Lässt man sich allerdings dazu hinreißen, in den Einkaufsstraßen nach Kleidung im Ausverkauf zu schauen, nützt das (besonders auch von solchen, oft frustrierenden, Shoppingtouren multiplizierte) Genervtsein dem eigenen Kleiderschrank (der, so ist es doch, immer eine Entschlackungskur vertragen kann).
Schritt 1: Fetzengeschäfte frequentieren. Nicht unbedingt etwas kaufen. Genervtseinsgefühl bis zu Hause konservieren!
Schritt 2: Zu Hause den eigenen Kleiderschrank mit demselben Blick betrachten. So sieht man viel schneller, was abgetragen ist und einem eigentlich gar nicht (mehr) so gefällt. Hätte ich das grad vorher gekauft? Was springt mir ins Auge, möchte ich anprobieren? Und was nicht? Sind nur mehr passende, schöne Lieblingsstücke übrig? Und wie's hier aussieht! Im Geschäft hätte man pikiert den Kopf geschüttelt. Im Eigenheim ordnet man schnell den Kleiderschrank.
Man kann die Pölster auf dem Sofa schon nicht mehr sehn? Her mit einem neuen oder anderen Bezug. Oder gleich anderen Pölstern. Oder Sofa?
Wie nützlich es ist, wenn man intensiver von Gegenständen genervt wird. Man erkennt sie gleich – und hat auch mehr Ambitionen, sich von ihnen zu trennen bzw. die Situation zu verbessern. Für ToDo-Listen werden erst gar nicht Zeit und Nerven verschwendet.
Nach Vollendung (die meist schneller als gedacht erreicht ist) ist auch Schluss mit dem Angenervtsein. Man ist zufriedener mit den Dingen, und mit sich selbst auch. Man muss nur schauen, dass man seinen stillen Grant channelt. Dann wird alles wieder schöner und besser.
Mittwoch, 25. Dezember 2013
Es kommt wieder eine Generation ohne Großväter.
Nachdem heuer das erste Weihnachtsfest seit Jahrzehnten vorübergegangen ist, an dem ich keinerlei als Weihnachtskarten getarnte boshafte Psychoterrorpost mehr erhalten haben konnte, konnte ich trotzdem nicht umhin, mein mentales Schmerzgedächtnis zu registrieren, das ein wenig wie ein optisches Nachbild auf der Netzhaut wirkt. Es wird sicher noch einige Zeit dauern, bis es verblasst und ich hunderprozentig freie Sicht ohne Schatten und Echos wiedererhalten habe.
Und angesichts der nebenbei erzählten Histörchen aus dem Alltagsleben mir bekannter Damen wurde mir bewusst, was mir alles entgangen ist, was mir alles gefehlt hat, was mir alles genommen wurde – weil mein Vater kein Vater im klassischen Sinn gewesen war, erst recht nicht im positiven.
Erwachsene junge (und auch nicht mehr gar so blutjunge) Damen, selbst mit einem gleichaltrigen Mann an ihrer Seite, haben, wenn es an etwas Heimwerkendes geht, den Papa an der Seite. Der mit starken, angewitterten Händen die mühseligsten Möbel konstruiert, an der Wohnung bzw. am Haus herumschraubt, mit den professionellsten Werkzeugen aufkreuzt, dem Juniormann Lektionen der perfekten Grillkunst gibt. Der seine Kontakte und Empfehlungen hat, seine männliche Lebenserfahrung und -weisheit einbringt, dem Juniormann schulterklopfend den Rücken stärkt, wenn die Frauenquote überhand nimmt. Oder den Juniormann schon mal ein wenig ins Abseits dirigiert und unterhält, damit die Damenrunde ohne schlechten Gewissens einfach nur Damengezwitscher ablassen kann.
Ein Papa, unter dessen Schutzschirm man sich stellen kann, der immer was Nützliches aus dem Ärmel zaubert. Der als höhere Instanz auf den Tisch haut, wenn man sich selbst nicht sicher ist.
Jetzt stelle man sich das Gegenteil davon vor. Zumindest die ständige Absenz.
Kein Wunder, dass also sowohl meine Mutter als auch ich keine Scheu vorm Handwerken haben. Die Rolle des Manns im Hause übernehmen. Was den Juniormann manchmal etwas in seiner Männerrolle frustriert. Und die Frau in ihrem abstrakten Allesmussichselbsertunsonsttutskeiner ständig am Wasserstrudel entlangrudert. Dass man sich nicht erlaubt, mal machen zu lassen, mal nicht immer die Stärkste sein zu müssen. Sich nicht selbst schützen und verteidigen zu müssen. Weil man weiß dass es sonst keiner tut.
Das hatte ich nicht, das wurde mir verwehrt, die Rolle musste ich mir selbst überziehen. Und bin diese Rolle so gewohnt, dass es mir fast unangenehm ist, sie ab und zu abzulegen. Was man denn nicht alles an sein Umfeld weitergibt, auch wenn es sie überhaupt nicht betroffen hat, und sie davon gar nicht betroffen sein dürfen sollen.
Und so fehlt natürlich auch der klassische Großvater. Der mittlerweile gütig-geduldig gewordene Opa. Der freche Scherze macht, gegen die Frauenriege der Familie steht. Bei dem Strenge und Donnerwetter nur mehr walten, um die jüngste Generation zu verteidigen. Der zu einem steht, wenn der Rest der Familie meckert.
Ich vermisse meinen Opa immer noch. Sehr. Von mir aus hätte ich ihn noch öfter, noch länger haben wollen. Hätte er erreichbarer von mir gewohnt, er hätte mir vor langer Zeit wahrscheinlich helfen können.
Und so ein Großvater fehlt jetzt natürlich, siehe oben, der neuen Generation komplett. Ist nicht einmal ansatzweise verfügbar. So ist es aber wahrscheinlich in vielen Familien, wird es vielen Generationen so gehen. Mit Patchworkfamilien hat sich alles geändert. Mit Vätern, die sich plötzlich den Kindern entziehen und sich keinen Deut um ihren Nachwuchs scheren, gibt es später auch keine Opas, die sich für ihre Kindeskinder interessieren. Die Rolle der alleinübernehmenden Mutter hat sich schon jetzt auf die der alleinübernehmenden Großmutter ausgeweitet. Die jetzigen Väter, ohne permanente und konstante Schwiegerväter, bekommen auch nicht im Bedarfsfall den Kopf geradegerichtet, so von Mann zu Mann. Unsere Söhne werden hauptsächlich von Frauen erzogen, bekommen Väter oft nur mehr verstörend vorgelebt.
Aber welcher Mann will sich das schon umbinden – Leih-Opa zu sein.
Wir brauchen mehr Männer. "Echte" Männer. Keine Burschen. Bitte mich nicht als anti-feministisch oder konservativ misszuverstehen. Ich bin bloß der Ansicht, dass Frauen nicht alles auf einmal (tun) können. Wir können auch nicht alle auf einmal sein. Es ist nicht dasselbe. Nur Mütter können Mütter sein, und nur Väter Väter. Wenn andere Konstellationen funktionieren, wunderbar. Auch bei gleichgeschlechtlichen Eltern sind die "Rollen" aufgeteilt. Doch einer kann nicht alle.
Ich habe kein Lösungskonzept für diese Entwicklung. Ich kann auch meinen Sohn nicht hunderprozentig dazu erziehen, später einmal ein Guter Vater zu sein. Ich muss mich aber dabei zurückhalten, alle Rollen selber spielen zu wollen/müssen, denn das zieht Kreise. Und nimmt mich aus meinem Mittelpunkt. Dann stehe ich neben mir, und kann kein Fixpunkt mehr sein, weder für mich selbst noch für Andere. Und darauf fußen Schwierigkeiten, mit denen nicht so wenige Menschen und Familienstöcke zu kämpfen haben.
Ihr könnt nur ihr selbst sein. Ihr könnt keine weitere, andere Rolle ersetzen, weil ihr selbst unersetzbar seid.
Und angesichts der nebenbei erzählten Histörchen aus dem Alltagsleben mir bekannter Damen wurde mir bewusst, was mir alles entgangen ist, was mir alles gefehlt hat, was mir alles genommen wurde – weil mein Vater kein Vater im klassischen Sinn gewesen war, erst recht nicht im positiven.
Erwachsene junge (und auch nicht mehr gar so blutjunge) Damen, selbst mit einem gleichaltrigen Mann an ihrer Seite, haben, wenn es an etwas Heimwerkendes geht, den Papa an der Seite. Der mit starken, angewitterten Händen die mühseligsten Möbel konstruiert, an der Wohnung bzw. am Haus herumschraubt, mit den professionellsten Werkzeugen aufkreuzt, dem Juniormann Lektionen der perfekten Grillkunst gibt. Der seine Kontakte und Empfehlungen hat, seine männliche Lebenserfahrung und -weisheit einbringt, dem Juniormann schulterklopfend den Rücken stärkt, wenn die Frauenquote überhand nimmt. Oder den Juniormann schon mal ein wenig ins Abseits dirigiert und unterhält, damit die Damenrunde ohne schlechten Gewissens einfach nur Damengezwitscher ablassen kann.
Ein Papa, unter dessen Schutzschirm man sich stellen kann, der immer was Nützliches aus dem Ärmel zaubert. Der als höhere Instanz auf den Tisch haut, wenn man sich selbst nicht sicher ist.
Jetzt stelle man sich das Gegenteil davon vor. Zumindest die ständige Absenz.
Kein Wunder, dass also sowohl meine Mutter als auch ich keine Scheu vorm Handwerken haben. Die Rolle des Manns im Hause übernehmen. Was den Juniormann manchmal etwas in seiner Männerrolle frustriert. Und die Frau in ihrem abstrakten Allesmussichselbsertunsonsttutskeiner ständig am Wasserstrudel entlangrudert. Dass man sich nicht erlaubt, mal machen zu lassen, mal nicht immer die Stärkste sein zu müssen. Sich nicht selbst schützen und verteidigen zu müssen. Weil man weiß dass es sonst keiner tut.
Das hatte ich nicht, das wurde mir verwehrt, die Rolle musste ich mir selbst überziehen. Und bin diese Rolle so gewohnt, dass es mir fast unangenehm ist, sie ab und zu abzulegen. Was man denn nicht alles an sein Umfeld weitergibt, auch wenn es sie überhaupt nicht betroffen hat, und sie davon gar nicht betroffen sein dürfen sollen.
Und so fehlt natürlich auch der klassische Großvater. Der mittlerweile gütig-geduldig gewordene Opa. Der freche Scherze macht, gegen die Frauenriege der Familie steht. Bei dem Strenge und Donnerwetter nur mehr walten, um die jüngste Generation zu verteidigen. Der zu einem steht, wenn der Rest der Familie meckert.
Ich vermisse meinen Opa immer noch. Sehr. Von mir aus hätte ich ihn noch öfter, noch länger haben wollen. Hätte er erreichbarer von mir gewohnt, er hätte mir vor langer Zeit wahrscheinlich helfen können.
Und so ein Großvater fehlt jetzt natürlich, siehe oben, der neuen Generation komplett. Ist nicht einmal ansatzweise verfügbar. So ist es aber wahrscheinlich in vielen Familien, wird es vielen Generationen so gehen. Mit Patchworkfamilien hat sich alles geändert. Mit Vätern, die sich plötzlich den Kindern entziehen und sich keinen Deut um ihren Nachwuchs scheren, gibt es später auch keine Opas, die sich für ihre Kindeskinder interessieren. Die Rolle der alleinübernehmenden Mutter hat sich schon jetzt auf die der alleinübernehmenden Großmutter ausgeweitet. Die jetzigen Väter, ohne permanente und konstante Schwiegerväter, bekommen auch nicht im Bedarfsfall den Kopf geradegerichtet, so von Mann zu Mann. Unsere Söhne werden hauptsächlich von Frauen erzogen, bekommen Väter oft nur mehr verstörend vorgelebt.
Aber welcher Mann will sich das schon umbinden – Leih-Opa zu sein.
Wir brauchen mehr Männer. "Echte" Männer. Keine Burschen. Bitte mich nicht als anti-feministisch oder konservativ misszuverstehen. Ich bin bloß der Ansicht, dass Frauen nicht alles auf einmal (tun) können. Wir können auch nicht alle auf einmal sein. Es ist nicht dasselbe. Nur Mütter können Mütter sein, und nur Väter Väter. Wenn andere Konstellationen funktionieren, wunderbar. Auch bei gleichgeschlechtlichen Eltern sind die "Rollen" aufgeteilt. Doch einer kann nicht alle.
Ich habe kein Lösungskonzept für diese Entwicklung. Ich kann auch meinen Sohn nicht hunderprozentig dazu erziehen, später einmal ein Guter Vater zu sein. Ich muss mich aber dabei zurückhalten, alle Rollen selber spielen zu wollen/müssen, denn das zieht Kreise. Und nimmt mich aus meinem Mittelpunkt. Dann stehe ich neben mir, und kann kein Fixpunkt mehr sein, weder für mich selbst noch für Andere. Und darauf fußen Schwierigkeiten, mit denen nicht so wenige Menschen und Familienstöcke zu kämpfen haben.
Ihr könnt nur ihr selbst sein. Ihr könnt keine weitere, andere Rolle ersetzen, weil ihr selbst unersetzbar seid.
Dienstag, 24. Dezember 2013
Alliiertes Trenddekoelement
(Mutet ziemlich weihnachtlich an, mein optisch finnischer Eintragstitel!)
Schon sind wir beim Thema: Länder. Und deren Fahnen und Banner.
Immer wieder kommt in Wellen der Trend, ob indie oder kommerziell, sich und seine Wohnumgebung mit Fahnen anderer Länder zu dekorieren. Besonders auffällig: Die Fahnen der englischsprachigen Besatzungsländer nach dem 2. Weltkrieg. Ich muss hier keine Beispielslinks oder -bilder einfügen; es begegnet einem an allen Ecken und Enden, wie man den Union Jack auf seinem Couchtisch platziert, auf seinen Star Spangled Badezimmerteppich tritt, seine Handtasche/seine Geldbörse/sein Pyjama/sein Schnäuztüchl etc.pp. den Alliierten übergibt.
Interessant zu sehen, welche Fahnen als trendy gelten, und welche Schubladen sich da auftun. Die Deutschland-Fahne als Fleecedeckenüberwurf? Nicht trendy, außer man ist nördlicherer Fußballfan.
Die Österreichfahne als Bettwäsche? Hat etwas leicht Reaktionäres. Jamaika- oder Südstaatenfahne haben ihre ganz eigenen Aussagen, und die UdSSR kommen wieder aus einem anderen Eck. Südamerikanische Banner signalisieren wiederum ein ihnen zugesprochenes Lebensgefühl.
Wie wär's also mit Handtüchern mit der z. B. Vatikanfahne? Oder einem Taschenkalender mit der schottischen Fahne? Scheinbar sind rot-weiß-blau die In-Farben, wenn es um Fahnen geht. Warum also nicht Belgien oder die Niederlande? Wie wär's denn gar mit Thailand oder Samoa?
Und wenn die Schweizerfahne so apart ist – warum dann nicht gleich Georgien?
"Soll" man Landesfahnen überhaupt als Deko-Element nutzen? Oder nur "hissen", wenn man historisch und/oder ideologisch mit dem Staat zu tun hat?
Um den Gedanken weiterzuspinnen, erinnere ich mich mit leichtem Grausen an den 80er-Trend, sich und seine Umgebung mit Firmenlogos zu schmücken – insbesondere dem eines amerikanischen Getränkeherstellers.
Ich sage, wenn schon, dann lieber besonders individuell und kreativ. Papua-Neuguinea wär doch eine voll trendige Bettwäsche. Swasiland der perfekte Bodenteppich. Guyana das voll coole Shirt. Botswana oder Estland als Vorlage, seine Wände zu streichen?
Fahnendesigns sind unbestritten eine Inspirationsquelle (diese Idee hatten auch die Macher von "Project Runway", auch wenn die Umsetzung meines Erachtens etwas unbegeisternd war.). Ihren Hintergrund, ihre Bedeutung aber so unter den Tisch fallen zu lassen, dass man sie eins zu eins einfach auf Untersetzer druckt, finde ich den Staatsangehörigen und der Geschichte des Landes gegenüber allerdings etwas gedanken- und respektlos.
Schon sind wir beim Thema: Länder. Und deren Fahnen und Banner.
Immer wieder kommt in Wellen der Trend, ob indie oder kommerziell, sich und seine Wohnumgebung mit Fahnen anderer Länder zu dekorieren. Besonders auffällig: Die Fahnen der englischsprachigen Besatzungsländer nach dem 2. Weltkrieg. Ich muss hier keine Beispielslinks oder -bilder einfügen; es begegnet einem an allen Ecken und Enden, wie man den Union Jack auf seinem Couchtisch platziert, auf seinen Star Spangled Badezimmerteppich tritt, seine Handtasche/seine Geldbörse/sein Pyjama/sein Schnäuztüchl etc.pp. den Alliierten übergibt.
Interessant zu sehen, welche Fahnen als trendy gelten, und welche Schubladen sich da auftun. Die Deutschland-Fahne als Fleecedeckenüberwurf? Nicht trendy, außer man ist nördlicherer Fußballfan.
Die Österreichfahne als Bettwäsche? Hat etwas leicht Reaktionäres. Jamaika- oder Südstaatenfahne haben ihre ganz eigenen Aussagen, und die UdSSR kommen wieder aus einem anderen Eck. Südamerikanische Banner signalisieren wiederum ein ihnen zugesprochenes Lebensgefühl.
Wie wär's also mit Handtüchern mit der z. B. Vatikanfahne? Oder einem Taschenkalender mit der schottischen Fahne? Scheinbar sind rot-weiß-blau die In-Farben, wenn es um Fahnen geht. Warum also nicht Belgien oder die Niederlande? Wie wär's denn gar mit Thailand oder Samoa?
Und wenn die Schweizerfahne so apart ist – warum dann nicht gleich Georgien?
"Soll" man Landesfahnen überhaupt als Deko-Element nutzen? Oder nur "hissen", wenn man historisch und/oder ideologisch mit dem Staat zu tun hat?
Um den Gedanken weiterzuspinnen, erinnere ich mich mit leichtem Grausen an den 80er-Trend, sich und seine Umgebung mit Firmenlogos zu schmücken – insbesondere dem eines amerikanischen Getränkeherstellers.
Ich sage, wenn schon, dann lieber besonders individuell und kreativ. Papua-Neuguinea wär doch eine voll trendige Bettwäsche. Swasiland der perfekte Bodenteppich. Guyana das voll coole Shirt. Botswana oder Estland als Vorlage, seine Wände zu streichen?
Fahnendesigns sind unbestritten eine Inspirationsquelle (diese Idee hatten auch die Macher von "Project Runway", auch wenn die Umsetzung meines Erachtens etwas unbegeisternd war.). Ihren Hintergrund, ihre Bedeutung aber so unter den Tisch fallen zu lassen, dass man sie eins zu eins einfach auf Untersetzer druckt, finde ich den Staatsangehörigen und der Geschichte des Landes gegenüber allerdings etwas gedanken- und respektlos.
Sonntag, 3. November 2013
Warum nicht gleich so?
Viele Dinge erledigt man manchmal mit einer Verzögerung, die, nach Beendigung des Vorhabens, und nach Abhaken der innerlichen ToDoListe, aufgrund der doch sehr einfachen und raschen Durchführung, zur Unverständlichkeit wird.
Änderungen, die seit einiger Zeit kratzend bewusst, oder noch übler, irgendwie flaumig unbewusst, im Geist umherwabern. Einem ständig das Gefühl geben, dass irgend etwas nicht komplett, nicht richtig, noch zu tun ist. Hier erklärt sich auch die Verschlimmerung des Gefühls, wenn einem nicht so recht bewusst ist, was einen eigentlich peripher so stört.
Besonders gerne treten solche nervschabenden Kleinigkeiten in der eigenen Wohnung auf. Es ist alles eingerichtet, es ist alles mehr oder weniger vorhanden und verstaut, es gibt nichts Dringendes und Wichtiges mehr zu besorgen oder zu erledigen, wie es zum Beispiel zum Zeitpunkt des Einzugs gewesen ist. Als man noch Einkaufs- und Erledigungslisten hatte, als ein Manko noch offensichtlich und ehrlich im Raum stand.
Manchmal dauert es auch ein bisschen, bis sich der Geistesblitz, die Muse, die Intuition daherbequemt. Dann aber plötzlich. Dann ist der (richtige) Moment da. Unangenehm ist es ja meist auch darum, weil man weiß DASS etwas nicht ganz passt, aber man noch nicht den Clou hat, was es passend machen würde.
Dankenswerterweise kommen solche Clous dann gern in Serie. Oder zieht ein Clou den nächsten an? Oder gibt es gar synaptische Verbindungen, die sich dann, und ausgerechnet genau dann, öffnen oder anlegen, einem Wurmloch gleich?
So eine inspirative Neuralnetzbildung geschah mir diesen Monat. Vielleicht lag es auch irgendwie daran, dass ich dem adorablen Herrn Kanter per seines Wohnungs- und Hausaufbesserungstagebuches gefolgt bin wie eine Ameise der Zuckerspur? Gut möglich. Für eigene Ideen und Motivationen braucht es oft eine vorhergehende Phase des massiven Inputs.
Da mir der Mangel an Illustrationen in diesem Bereich hier schon selbst unangenehm aufgefallen ist, habe ich mal salopp einige Änderungsergebnisse abgelichtet. Kein Vorher/Nachher allerdings. So weit möchte ich dann nun doch nicht gehen. Und wenn man sich das große Vorher nicht vorstellen kann, ist es mit der Imagination, was man in den eigenen (sprichwörtlichen, hoffentlich nicht buchstäblichen) vier Wänden verändern könnte, bedauernswerterweise ohnehin nicht so weit her als dass die Inspiration nutzbringend genug gedeihen könnte. Und dazu schaue man doch bitte gerne intensiv durchs weltweit vernetzte Guckloch des Manhattanschen Nests (ich kann diesen Link einfach nicht oft genug hier hineinschrauben).
Zuerst einmal begann es mit einem kindlichen Hauben- und Kappenhaufen, der seit der Zeit des Einzugs in diese Wohnung (merke: ca. 6 Jahre zurück) keinen wirklichen eigenen, "ordentlichen" Platz hatte. Das kleine Hakenleistchen, das die Vorwohnungsvorzimmerwand einnahm, war "für hier" erstens zu lang (breit?), zweitens war die damals nette Selbstbemalung nicht mehr altersgerecht, und drittens zu bunt. So verbrachte es die Jahre zwar im Vorzimmer, allerdings im Eck und damit physisch und psychisch im Weg.
Das gegenwärtige Vorzimmer ist der einzige winzigkleine Wermutstropfen der derzeitigen Wohnung: Es ist sehr schmal, es ist sehr kurz, es ist kein Platz. Die Hauben und Kappen lagen gestapelt auf des Kindes Stiefeln. Fürchterlich.
Und dann die Eingebung. So simpel. So einfach. So Warum nicht gleich so.
Hakenleiste und Wand vermessen, Hakenleiste absägen, schleifen und streichen, Hakenleiste montieren, sich freuen und auf die Stirn klatschen.
Diese simple Aktion wurde dicht gefolgt von dem plötzlichen Entschluss, die Schlafzimmervorhänge einen Gutteil kürzer zu machen. Was seit Jahren staubend auf dem Boden schliff und die Heizungswärme gut einschloss, nervte bei jedem Staubsaugvorgang immens. Doch wer raffte sich bislang nie dazu auf, sie "einfach mal" hochzunähen? Ja, genau. Warum nicht gleich.
Wonach ich allerdings schon länger erfolglos (zugegebenerweise nur im Netz) gespäht hatte, war eine Lösungsmöglichkeit, die Stapelsituation meiner Stoffbrocken im begehbaren Schrank zu verbessern. Eine gefühlte Ewigkeit musste ein mit der offenen Seite nach vorn schauender, riesiger Karton dazu herhalten, Berge an Textilien zu fassen. Und einen Bruchteil einer Ewigkeit, also mathematisch gesehen immer noch unglaublich lange, schob ich den Schnupperbesuch einer geplant karitativen Einrichtung, praktisch gesprochen eines großen Second Hand Möbellagers, vor mir her. Doch diese Woche rappelte ich mich auf. Kurzentschlossen. Und es war ein gar nicht so großes Abenteuer. Es war fröhlich und entspannt. Und erfolgreich. Zwar fand ich nicht genau das Traummöbelstück meiner innenarchitektonischen Phantasien, doch meine jüngst aufgeflammte Inspiration ließ mich nicht im Stich und bescherte mir die Denkflexibilität, aus einer Alternative das zu kombinieren, was zumindest eine Verbesserung herbeiführen würde.
Dass die Inhaltsgestaltung noch weit von ihrem Perfektionszustand entfernt ist, darf im Moment außer Acht gelassen werden. Diese Lösung ist vergleichsweise ein großer stilistischer Aufstieg.
Und weil ich gerade so in Regal-Laune war, machte ich mich auch sogleich an einen weiteren Minimalaugendorn: Den großen schwedischen Onkel im Wohnzimmer. Wie in älteren Bildern (bzw.: "siehe unten") zu bemerken, wurden ihm ob der papiernen Last schon ein wenig die Bandscheiben und Arme müde. Die Schwerkraft tat unvermeidlich das Ihre und zog die Bücher, dass sich die Balken bogen.
Aber glücklicherweise ist der Onkel ein gleichförmiger, und es ist ihm pippilangstrumpfweise herzlich egal, ob der Kopf unten und der Fuß oben zu stehen kommen. Brandheißer Tipp also: Alle paar Jahre einfach mal den Onkel auf den Kopf stellen! Ach wenn man das mit einem selbst auch so einfach halten könnte, man hätte wahrscheinlich keine solchen Kreuzprobleme mehr.
Aber warum manifestieren sich solche Eingebungen nicht schon eher? Wieso kommt man auf so einfache Verfahren nicht direkt beim Erblicken der Problemzone? Prokrastinatives Aufschieben geplanter Vorgehen sind in diesem Sinn etwas völlig Anderes. Kein "Ich sollte mal" oder "Das gehört schon lange" – einfach das Fehlen des augenöffnenden Moments, WIE man denn nun am Besten.
Und dann geht alles sehr schnell. Und dann sind es gerade die schlichtesten, unkompliziertesten Änderungen, die alles gleich viel besser wirken lassen. Wahrscheinlich liegt es aber an der kopfinternen Reihung von Erdenkungswichtigkeiten, die solche großen Kinkerlitzchen wie in Druckauftragswartelisten immer wieder hinten anreihen. Vielleicht klickt man einfach ab und zu einmal "Auftrag abbrechen", und zack, da tanzt sie, die Dame Muse. Und kichert einem charmant ins Gesicht, wie offensichtlich die Chose doch eigentlich ist. Und: Warum denn nicht gleich so!
Änderungen, die seit einiger Zeit kratzend bewusst, oder noch übler, irgendwie flaumig unbewusst, im Geist umherwabern. Einem ständig das Gefühl geben, dass irgend etwas nicht komplett, nicht richtig, noch zu tun ist. Hier erklärt sich auch die Verschlimmerung des Gefühls, wenn einem nicht so recht bewusst ist, was einen eigentlich peripher so stört.
Besonders gerne treten solche nervschabenden Kleinigkeiten in der eigenen Wohnung auf. Es ist alles eingerichtet, es ist alles mehr oder weniger vorhanden und verstaut, es gibt nichts Dringendes und Wichtiges mehr zu besorgen oder zu erledigen, wie es zum Beispiel zum Zeitpunkt des Einzugs gewesen ist. Als man noch Einkaufs- und Erledigungslisten hatte, als ein Manko noch offensichtlich und ehrlich im Raum stand.
Manchmal dauert es auch ein bisschen, bis sich der Geistesblitz, die Muse, die Intuition daherbequemt. Dann aber plötzlich. Dann ist der (richtige) Moment da. Unangenehm ist es ja meist auch darum, weil man weiß DASS etwas nicht ganz passt, aber man noch nicht den Clou hat, was es passend machen würde.
Dankenswerterweise kommen solche Clous dann gern in Serie. Oder zieht ein Clou den nächsten an? Oder gibt es gar synaptische Verbindungen, die sich dann, und ausgerechnet genau dann, öffnen oder anlegen, einem Wurmloch gleich?
So eine inspirative Neuralnetzbildung geschah mir diesen Monat. Vielleicht lag es auch irgendwie daran, dass ich dem adorablen Herrn Kanter per seines Wohnungs- und Hausaufbesserungstagebuches gefolgt bin wie eine Ameise der Zuckerspur? Gut möglich. Für eigene Ideen und Motivationen braucht es oft eine vorhergehende Phase des massiven Inputs.
Da mir der Mangel an Illustrationen in diesem Bereich hier schon selbst unangenehm aufgefallen ist, habe ich mal salopp einige Änderungsergebnisse abgelichtet. Kein Vorher/Nachher allerdings. So weit möchte ich dann nun doch nicht gehen. Und wenn man sich das große Vorher nicht vorstellen kann, ist es mit der Imagination, was man in den eigenen (sprichwörtlichen, hoffentlich nicht buchstäblichen) vier Wänden verändern könnte, bedauernswerterweise ohnehin nicht so weit her als dass die Inspiration nutzbringend genug gedeihen könnte. Und dazu schaue man doch bitte gerne intensiv durchs weltweit vernetzte Guckloch des Manhattanschen Nests (ich kann diesen Link einfach nicht oft genug hier hineinschrauben).
Zuerst einmal begann es mit einem kindlichen Hauben- und Kappenhaufen, der seit der Zeit des Einzugs in diese Wohnung (merke: ca. 6 Jahre zurück) keinen wirklichen eigenen, "ordentlichen" Platz hatte. Das kleine Hakenleistchen, das die Vorwohnungsvorzimmerwand einnahm, war "für hier" erstens zu lang (breit?), zweitens war die damals nette Selbstbemalung nicht mehr altersgerecht, und drittens zu bunt. So verbrachte es die Jahre zwar im Vorzimmer, allerdings im Eck und damit physisch und psychisch im Weg.
Das gegenwärtige Vorzimmer ist der einzige winzigkleine Wermutstropfen der derzeitigen Wohnung: Es ist sehr schmal, es ist sehr kurz, es ist kein Platz. Die Hauben und Kappen lagen gestapelt auf des Kindes Stiefeln. Fürchterlich.
Und dann die Eingebung. So simpel. So einfach. So Warum nicht gleich so.
Hakenleiste und Wand vermessen, Hakenleiste absägen, schleifen und streichen, Hakenleiste montieren, sich freuen und auf die Stirn klatschen.
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| Und wie schwer war das jetzt? |
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| Hätten wir schon lange so haben können? |
Dass die Inhaltsgestaltung noch weit von ihrem Perfektionszustand entfernt ist, darf im Moment außer Acht gelassen werden. Diese Lösung ist vergleichsweise ein großer stilistischer Aufstieg.
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| Befriedetere Seele um nur wenig Bares. |
Aber glücklicherweise ist der Onkel ein gleichförmiger, und es ist ihm pippilangstrumpfweise herzlich egal, ob der Kopf unten und der Fuß oben zu stehen kommen. Brandheißer Tipp also: Alle paar Jahre einfach mal den Onkel auf den Kopf stellen! Ach wenn man das mit einem selbst auch so einfach halten könnte, man hätte wahrscheinlich keine solchen Kreuzprobleme mehr.
Aber warum manifestieren sich solche Eingebungen nicht schon eher? Wieso kommt man auf so einfache Verfahren nicht direkt beim Erblicken der Problemzone? Prokrastinatives Aufschieben geplanter Vorgehen sind in diesem Sinn etwas völlig Anderes. Kein "Ich sollte mal" oder "Das gehört schon lange" – einfach das Fehlen des augenöffnenden Moments, WIE man denn nun am Besten.
Und dann geht alles sehr schnell. Und dann sind es gerade die schlichtesten, unkompliziertesten Änderungen, die alles gleich viel besser wirken lassen. Wahrscheinlich liegt es aber an der kopfinternen Reihung von Erdenkungswichtigkeiten, die solche großen Kinkerlitzchen wie in Druckauftragswartelisten immer wieder hinten anreihen. Vielleicht klickt man einfach ab und zu einmal "Auftrag abbrechen", und zack, da tanzt sie, die Dame Muse. Und kichert einem charmant ins Gesicht, wie offensichtlich die Chose doch eigentlich ist. Und: Warum denn nicht gleich so!
Sonntag, 13. Oktober 2013
Was sieht der Polizist,
wenn er die Wohnung betritt?
Neulich versuchte ich einmal wieder, die Wohnung mit den Augen eines Fremden, der unangekündigt spontan eingelassen wird, zu sehen.
Im Nachhinein. Es war ja spontan und unangekündigt.
Jemand, der mich und meine Wohnung nicht kennt. Keine Ahnung hat was für ein Leben ich führe und was ihn erwartet.
Da steht eine Schultasche an seinem Platz an der Seite. Da hängt die Wäsche zum Trocknen frisch aufgehängt. Da sind Bücher, viele Bücher. Durchschnittliche Ausstattung an Elektrogeräten. Drei Sessel beim Esstisch. Die Küche, das Vorzimmer, bewohnt aber durchschnittlich ordentlich. Saisonale Dekoration. Ein kleiner gepflegter Garten, das Gras neulich geschnitten. Ein bisschen Krimskrams hie und da, vielleicht ein bisschen Staub an den typischen Stellen. Alles an seinem Platz. Ob ihm die Tube Fugenreiniger aufgefallen ist?
Es ist ein Haushalt von drei Personen, davon ein jüngeres Schulkind (Schultasche, Schuhgrößen auf einer der drei Schuhabstellregale, Deko). Nichtraucherwohnung (Aschenbecher im Garten), arbeitend (sauber und ordentlich, das Putzen hauptsächlich auf die Wochenenden beschränkt). Gebildet (Bücherregale!), klassische Werte, aber eigenwilliger Stil. Und all das was fehlt, was man in anderen Haushalten zu sehen bekommt. Keine Flaschen, keine Müllhaufen, kein was-sonst-noch-alles-möglich-ist, worauf ein Polizist achtet. "Normale" Zivilbürger ohne Bekanntheit im Exekutivsystem.
Und, ehrlich gesagt, und genau hingesehen, ist es hier gar nicht "so schlimm" wie ich manchmal denke. Viele, viele Dinge auf meiner To-Do-Liste. Hier etwas auszubessern, da etwas auszumisten, dort einmal wieder gründlich durchzuwischen. Es gibt vielleicht geleckt sauberere Haushalte ohne Zeugs da und dort. Aber eigentlich ist hier alles in Ordnung und gut. Beim Anblick meines Gartens aus fremden Augen dachte ich spontan, Und wann hat sie das alles geschafft?
Gibt es eigentlich auch offizielle "Wohnungsprofiler"? Wahrscheinlich ist "Zeig mir wie du wohnst und ich sage dir wer du bist" ein eigenes Seminar in der Ausbildung des Forensikers. Meine eigene Wohnung kann schwer verbergen, wer und wie ich bin, Dazu braucht man gar nicht erst in mein Bade- oder Schlafzimmer schauen zu müssen (obwohl es da wahrscheinlich in vielen Haushalten noch weit aufschlussreicher zugeht). Anhand meines Kleiderschranks, von welcher Statur ich bin. Lose Haare in der Bürste die mein Aussehen weiter definieren. Medikamente. Kühlschrankinhalt. Ganz abgesehen von Papieren und Dokumenten, würde ein Blick auf Meine Sachen (und deren Zustand) genug Aufschluss über meine Person geben.
Aber bin ich meine Gegenstände? Was, wäre meine Wohnung leer? Oder hätte ich gar keine? Wie viel von Mir "verlöre" ich, wenn ich, z. B. nach einem Brand o. Ä., keine Besitztümer mehr hätte?
Viele Dinge sind allerdings schwer auf den ersten oder zweiten Blick auszumachen, existieren hauptsächlich in meinem Kopf.
Wie so manche Dinge, die die Volksschullehrerin macht, ohne dass wir davon wissen.
Lehrer "tun zu wenig"? Sollen "mehr tun"?
Erst kürzlich offenbarte uns die Klassenlehrerin so nebenbei, sie würde "so nebenbei" angehende LehrerInnen ausbilden. Als Praxislehrerin sozusagen. Und im Sommer werte sie Ergebnisse für die PISA-Studie aus. So nebenbei. Extra-Arbeit so nebenbei.
Es steckt meist viel mehr dahinter, was "so nebenbei" erledigt und organisiert wird. Aber es soll doch immer mehr sein.
Wenn man genau hinsieht, merkt man, dass es genug ist. Dass es genug ist, und dass es gut ist.
Man kann mich gerne spontan und unangemeldet besuchen. Es ist alles gut.
Neulich versuchte ich einmal wieder, die Wohnung mit den Augen eines Fremden, der unangekündigt spontan eingelassen wird, zu sehen.
Im Nachhinein. Es war ja spontan und unangekündigt.
Jemand, der mich und meine Wohnung nicht kennt. Keine Ahnung hat was für ein Leben ich führe und was ihn erwartet.
Da steht eine Schultasche an seinem Platz an der Seite. Da hängt die Wäsche zum Trocknen frisch aufgehängt. Da sind Bücher, viele Bücher. Durchschnittliche Ausstattung an Elektrogeräten. Drei Sessel beim Esstisch. Die Küche, das Vorzimmer, bewohnt aber durchschnittlich ordentlich. Saisonale Dekoration. Ein kleiner gepflegter Garten, das Gras neulich geschnitten. Ein bisschen Krimskrams hie und da, vielleicht ein bisschen Staub an den typischen Stellen. Alles an seinem Platz. Ob ihm die Tube Fugenreiniger aufgefallen ist?
Es ist ein Haushalt von drei Personen, davon ein jüngeres Schulkind (Schultasche, Schuhgrößen auf einer der drei Schuhabstellregale, Deko). Nichtraucherwohnung (Aschenbecher im Garten), arbeitend (sauber und ordentlich, das Putzen hauptsächlich auf die Wochenenden beschränkt). Gebildet (Bücherregale!), klassische Werte, aber eigenwilliger Stil. Und all das was fehlt, was man in anderen Haushalten zu sehen bekommt. Keine Flaschen, keine Müllhaufen, kein was-sonst-noch-alles-möglich-ist, worauf ein Polizist achtet. "Normale" Zivilbürger ohne Bekanntheit im Exekutivsystem.
Und, ehrlich gesagt, und genau hingesehen, ist es hier gar nicht "so schlimm" wie ich manchmal denke. Viele, viele Dinge auf meiner To-Do-Liste. Hier etwas auszubessern, da etwas auszumisten, dort einmal wieder gründlich durchzuwischen. Es gibt vielleicht geleckt sauberere Haushalte ohne Zeugs da und dort. Aber eigentlich ist hier alles in Ordnung und gut. Beim Anblick meines Gartens aus fremden Augen dachte ich spontan, Und wann hat sie das alles geschafft?
Gibt es eigentlich auch offizielle "Wohnungsprofiler"? Wahrscheinlich ist "Zeig mir wie du wohnst und ich sage dir wer du bist" ein eigenes Seminar in der Ausbildung des Forensikers. Meine eigene Wohnung kann schwer verbergen, wer und wie ich bin, Dazu braucht man gar nicht erst in mein Bade- oder Schlafzimmer schauen zu müssen (obwohl es da wahrscheinlich in vielen Haushalten noch weit aufschlussreicher zugeht). Anhand meines Kleiderschranks, von welcher Statur ich bin. Lose Haare in der Bürste die mein Aussehen weiter definieren. Medikamente. Kühlschrankinhalt. Ganz abgesehen von Papieren und Dokumenten, würde ein Blick auf Meine Sachen (und deren Zustand) genug Aufschluss über meine Person geben.
Aber bin ich meine Gegenstände? Was, wäre meine Wohnung leer? Oder hätte ich gar keine? Wie viel von Mir "verlöre" ich, wenn ich, z. B. nach einem Brand o. Ä., keine Besitztümer mehr hätte?
Viele Dinge sind allerdings schwer auf den ersten oder zweiten Blick auszumachen, existieren hauptsächlich in meinem Kopf.
Wie so manche Dinge, die die Volksschullehrerin macht, ohne dass wir davon wissen.
Lehrer "tun zu wenig"? Sollen "mehr tun"?
Erst kürzlich offenbarte uns die Klassenlehrerin so nebenbei, sie würde "so nebenbei" angehende LehrerInnen ausbilden. Als Praxislehrerin sozusagen. Und im Sommer werte sie Ergebnisse für die PISA-Studie aus. So nebenbei. Extra-Arbeit so nebenbei.
Es steckt meist viel mehr dahinter, was "so nebenbei" erledigt und organisiert wird. Aber es soll doch immer mehr sein.
Wenn man genau hinsieht, merkt man, dass es genug ist. Dass es genug ist, und dass es gut ist.
Man kann mich gerne spontan und unangemeldet besuchen. Es ist alles gut.
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